Moderne Bemessung von Regenwasserrückhaltung und Versickerung – zwei digitale Planungstools für die Siedlungswasserwirtschaft

Digitale Planungstools ermöglichen eine schnelle und normgerechte Bemessung von Anlagen zur Regenwasserrückhaltung und Versickerung unter Berücksichtigung standortbezogener Niederschlagsdaten.
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Beata Ciszewska, RetencjaPL Beata Ciszewska, RetencjaPL
Publicated 29 Mai, 2026
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Die Folgen des Klimawandels, zunehmende Starkregenereignisse und der steigende Versiegelungsgrad urbaner Flächen stellen die Siedlungswasserwirtschaft vor neue Herausforderungen. Eine normgerechte Bemessung von Anlagen zur Regenwasserrückhaltung und Versickerung ist heute ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung.

Zur Unterstützung dieses Planungsprozesses stehen auf der WaterFolder-Plattform zwei spezialisierte Anwendungen zur Verfügung: die Bemessung des Retentionsbeckenvolumens sowie die Bemessung von Mulden und Versickerungsflächen. Beide Werkzeuge unterstützen Planer und Ingenieure bei der hydraulischen Bemessung von Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung und ermöglichen eine schnelle, nachvollziehbare und praxisgerechte Auslegung.

Bemessung des Retentionsbeckenvolumens

Präzise Dimensionierung auf Basis der KOSTRA-Niederschlagsdaten

Die Anwendung zur Bemessung des Retentionsbeckenvolumens ermöglicht die schnelle und normgerechte Ermittlung des erforderlichen Rückhaltevolumens auf Grundlage der KOSTRA-Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes. Dadurch basiert die Bemessung auf standortbezogenen Niederschlagsdaten, wie sie bei der Planung moderner Entwässerungssysteme verwendet werden.

Der strukturierte Berechnungsablauf ermöglicht die Durchführung der Bemessung in wenigen Schritten. Neben der Ermittlung des erforderlichen Retentionsvolumens können projektspezifische Randbedingungen sowie unterschiedliche Nutzungen des Regenwassers berücksichtigt werden, sodass eine technisch und wirtschaftlich geeignete Lösung für das jeweilige Projekt ermittelt werden kann.

Wie funktioniert die Anwendung?

Die Bemessung erfolgt in wenigen Schritten. Zunächst werden die projektspezifischen Randbedingungen definiert, darunter:

  • Wiederkehrzeit des Bemessungsregens,
  • Bemessungsregen auf Grundlage der KOSTRA-Daten,
  • Fließzeit im Entwässerungssystem,
  • zulässiger Drosselabfluss gemäß den Vorgaben des Netzbetreibers oder der zuständigen Behörde.

Anschließend werden die angeschlossenen befestigten Flächen mit den jeweiligen Abflussbeiwerten erfasst. Auf dieser Grundlage berechnet die Anwendung die maßgebenden hydraulischen Bemessungsparameter und das erforderliche Retentionsvolumen.

Zusätzlich können weitere Nutzungen des Retentionsbeckens berücksichtigt werden, beispielsweise:

  • Regenwassernutzung zur Bewässerung,
  • Bereitstellung von Löschwasser,
  • kommunale oder technische Zusatznutzungen.

Bereits in einer frühen Planungsphase lassen sich dadurch unterschiedliche Nutzungsszenarien in die Bemessung einbeziehen.

Zu den Ergebnissen gehören unter anderem:

  • erforderliches Mindestvolumen des Retentionsbeckens,
  • gesamter Zu- und Abfluss,
  • Entleerungszeit,
  • Innenhöhe und Nutzhöhe des Beckens.

Alle Berechnungsergebnisse können als PDF-Bericht exportiert werden. Der Bericht enthält eine Zusammenfassung der Bemessung, die wesentlichen Eingabedaten sowie eine technische Dokumentation zur weiteren Verwendung in der Projektplanung.

Vorteile für Planer und Ingenieure

Die Anwendung ermöglicht einen schnellen Vergleich verschiedener Bemessungsvarianten und zeigt unmittelbar die Auswirkungen geänderter Randbedingungen auf das erforderliche Retentionsvolumen. Dadurch wird der Planungsaufwand reduziert und die Nachvollziehbarkeit der hydraulischen Bemessung verbessert.

Das Werkzeug eignet sich für die Bemessung von Retentionsanlagen unterschiedlichster Größen – von kleineren Anlagen bis hin zu Lösungen für Wohngebiete, Gewerbe- und Industrieflächen sowie kommunale Infrastrukturprojekte.

Bemessung von Mulden und Versickerungsflächen

Digitale Bemessung von Versickerungsanlagen gemäß DWA-A 138

Eine weitere Anwendung auf der WaterFolder-Plattform unterstützt die hydraulische Bemessung von Mulden und Versickerungsflächen gemäß DWA-A 138. Sie ermöglicht die schnelle und normgerechte Auslegung von Anlagen zur dezentralen Niederschlagswasserversickerung.

Versickerungsanlagen leisten einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung. Sie reduzieren die Einleitung von Niederschlagswasser in die Kanalisation, fördern die Grundwasserneubildung und entlasten bestehende Entwässerungssysteme.

Mulden und Versickerungsflächen – Unterschiede

Versickerungsflächen dienen ausschließlich der Versickerung von Niederschlagswasser in den Untergrund. Sie werden häufig als begrünte, durchlässige Flächen entlang von Straßen, Parkplätzen oder öffentlichen Freiflächen eingesetzt.

Versickerungsmulden ermöglichen zusätzlich eine temporäre Rückhaltung des Niederschlagswassers. Durch ihre Speicherkapazität wird der Abfluss gedrosselt, bevor das Wasser kontrolliert versickert. Dadurch lassen sich Abflussspitzen reduzieren und Versickerungsanlagen hydraulisch entlasten.

Berücksichtigte Bemessungsparameter

Die Bemessung erfolgt auf Grundlage wesentlicher Projektparameter, darunter:

  • angeschlossene reduzierte Fläche,
  • Sicherheits- bzw. Risikofaktor,
  • Bemessungsregen,
  • Regendauer,
  • Wiederkehrzeit,
  • verfügbare Versickerungsfläche,
  • Versickerungsbeiwert des Bodens (kf-Wert).

Auf Basis dieser Eingabedaten berechnet die Anwendung die erforderlichen Abmessungen und hydraulischen Kennwerte der Versickerungsanlage.

Bewertung der Standortbedingungen

Zur Unterstützung der Planung enthält die Anwendung einen integrierten Fragenkatalog zur Beurteilung der Standortbedingungen. Berücksichtigt werden unter anderem:

  • Grundwasserstand,
  • Bodendurchlässigkeit,
  • Abstände zu Gebäuden,
  • Hangneigung,
  • mögliche Bodenverunreinigungen.

Dadurch lassen sich die Eignung des Standorts und mögliche Einschränkungen bereits in einer frühen Planungsphase bewerten.

Ergebnisse der Bemessung

Die Anwendung berechnet unter anderem:

  • das erforderliche Retentions- und Versickerungsvolumen,
  • Zu- und Abflussmengen,
  • hydraulische Kennwerte der Anlage,
  • geeignete Bemessungsvarianten.

Darüber hinaus können verschiedene Planungsvarianten miteinander verglichen werden. Bei begrenzter verfügbarer Fläche zeigt die Anwendung auf, welche Niederschlagsmengen sicher versickert werden können und ob ein Notüberlauf erforderlich ist.

Neben klassischen Versickerungsmulden unterstützt die Anwendung auch die Bemessung von Retentions- und Versickerungsbecken mit größerer Einstautiefe und bietet damit zusätzliche Flexibilität bei anspruchsvollen Standortbedingungen.

Digitale Planungstools für eine nachhaltige Niederschlagswasserbewirtschaftung

Beide Anwendungen unterstützen Planer und Ingenieure bei der schnellen und normgerechten Bemessung von Retentions- und Versickerungsanlagen. Durch die Berücksichtigung standortbezogener Niederschlagsdaten und aktueller Regelwerke ermöglichen sie eine effiziente, nachvollziehbare und projektspezifische Auslegung.

Digitale Bemessungswerkzeuge verkürzen den Planungsaufwand, erleichtern den Vergleich verschiedener Varianten und erhöhen die Planungssicherheit. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung und einer klimaangepassten Siedlungsentwässerung.

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